Angedichtet – Von der Ostfront

Text zu "Bunker Florastraße mit St. Clemens" von Ernst Walsken, Foto: Judith Schönwiesner
Text zu "Bunker Florastraße mit St. Clemens" von Ernst Walsken, Foto: Judith Schönwiesner

Angedichtet – Kunst, die aus dem Rahmen fällt

Texte der Solinger Schreibwerkstatt

Leitung: Susanne Koch

 

Von der Ostfront
von Jeanette Baden-Jaber

Sworbe am 21.11.44
Lieber Vater und liebe Mutter!
Gleich geht es in die vorderste Hauptkampflinie zum Infanterieeinsatz. Ich vertraue auf Gott und mich selbst und hoffe, daß ich gesund aus diesem Kampf wiederkomme. Sollte das Schicksal mich behalten, dann wünsche ich Euch für das weitere Leben nur Gutes.
Es grüßt und küßt Euch tausendmal euer Sohn Karl Heinz
Mutter dürfte, wenn ich fallen sollte, nicht so viel weinen. Bitte, bitte.

(Post eines jungen Solinger Soldaten an seine Eltern)

Es war einmal…
… ein junger Mann,
Sohn, Solinger, Soldat,
den,
wie auch all die anderen,
niemand hat gefragt.

Niemand hat gefragt,
ob er den Krieg gewollt,
die Kämpfe,
Schlachten
an der Front,
vom Feinde überrollt.

Hätt er gekonnt,
vielleicht
dem Feind,
in Angst vereint,
die Hand gereicht.
Vertrauend auf Gott
und auf sich selbst.

Und wenn das Schicksal es gewollt,
hat unseren Soldaten
nicht behalten,
der Tod
ihn nicht geholt;
und hätte es des Menschen Hass
und seinen Wahne nicht gegeben,
dann könnte unser junger Mann,
Sohn, Solinger, Soldat,
noch leben.