Wolfgang Langhoff: Schaupieler – Moorsoldat – Exilant

Wolfgang Langhoff, Die Moorsoldaten, 1935, Bürgerstiftung für verfolgte Künste, Foto: Jörg von Bruchhausen
Wolfgang Langhoff, Die Moorsoldaten, 1935, Bürgerstiftung für verfolgte Künste, Foto: Jörg von Bruchhausen

 

Die Geschichte hinter dem Buch.

„Vorbereitung zum Staatstreich“ hieß die Anklage unter deren Deckmantel man den Schauspieler Wolfgang Langhoff in „Schutzhaft“ genommen, gefoltert und in das Konzentrationslager Börgermoor gebracht hatte. Es folgten 13 Monate Haft. Er gehörte währen dieser Zeit zu den sogenannten Moorsoldaten, die im Emsland mit Spaten das Moor kultivieren mussten.

Gemeinsam mit dem Bergmann Johann Esser schrieb Wolfgang Langhoff „Das Moorsoldatenlied“. Die ursprüngliche Musik stammte von Rudi Goguel. Das Lied thematisiert – aus der Sicht der Häftlinge – die Umgebung des Lagers, die anstrengende Zwangsarbeit im Moor sowie der Sehnsucht nach Familie und Freiheit (letzte Strophe):

Doch für uns gibt es kein Klagen,
ewig kann’s nicht Winter sein.
Einmal werden froh wir sagen:
Heimat, du bist wieder mein.

Erstmals vorgetragen wurde das Lied im August 1933 bei einem Kulturabend der Gefangenen namens Zirkus Konzentrazani. Hier wurde es von 16 Häftlingen, überwiegend ehemaligen Mitgliedern des Solinger Arbeitergesangvereins, aufgeführt. Zwei Tage später wurde das Lied von der Lagerleitung bereits verboten. Dennoch verbreitete es sich durch entlassene Gefangene international und wurde so zu einem der bekanntesten Lager- und Widerstandslieder.

Wolfgang Langhoff wurde am 31. März 1934 – ohne weitere Erklärung – aus der Haft entlassen. Doch das Glück über die zurückerlangte Freiheit hielt nicht lange an, denn beruflich war er ruiniert. Man traute sich nicht, ihn einzustellen. Die Reichskulturkammer lehnte seine weitere Mitgliedschaft ab. Ihm wurde klar, dass er in Deutschland keine Zukunft hatte. Das Exil wurde bittere Gewissheit. Das Züricher Schauspielhaus wurde schließlich zum letzten Anker, von dort kam gerade rechtzeitig das Angebot für ein Engagement. Bei der Beantragung der Ausreisepapiere verwehrte man ihm, aus polizeilichen Gründen, jedoch seinen Pass. So beschloss er, Deutschland ohne gültige Papiere sofort zu verlassen. Vom Polizeirevier aus ging er direkt zum Bahnhof. Er rief seine Frau an, die das Notwendigste packte und sie flohen. Mit Beginn der Spielzeit 1934/35 gehörte Wolfgang Langhoff zum Ensemble des Schauspielhauses Zürich und blieb es bis 1945.

Bereits kurz nach seiner Ankunft im Schweizer Exil schrieb er seine Erinnerungen an die Zeit der Gefangenschaft auf und veröffentlichte diese 1935 im Schweizer Spiegel-Verlag. Der Tatsachenbericht „Die Moorsoldaten“ gehörte zu den ersten Quellen, die von der Situation in den deutschen Konzentrationslagern berichtete und somit die Politik des Dritten Reichs offen legte. Buch und Autor stellten deshalb eine Bedrohung für das nationalsozialistische System dar.

Kurz nach der Veröffentlichung des Buches wurde Wolfgang Langhoff – mit der Begründung, er sei ein „Volksschädling“ – die deutsche Staatsbürgerschaft aberkannt, somit war er staatenlos. Darüber hinaus schickten die Nationalsozialsozialisten Spitzel in die Schweiz, die ihn diffamierten und verfolgten. Aber auch von Schweizer Seite erfuhr er Gegenwind: Zunächst wurde ihm in einzelnen Kantonen untersagt, Vorträge zu dem Buch zuhalten, später wurde dieses Verbot auf das gesamte Bundesgebiet ausgedehnt.

Ernst Walsken

Untern den Moorsoldaten befand sich ab 1936 auch der Solinger Maler Ernst Walsken, der sich nach dem Krieg aktiv für den Aufbau einer Gedenkstätte im Emsland einsetzte. Seine illegal während der Gefangenschaft entstandenen Bilder haben im Dokumentationszentrum der Emslandlager eine Heimat gefunden.