Das 1. Geschenk an das Zentrum

Oscar Zügel, Ikarus , 1936 © Katia Zügel, Balingen
Oscar Zügel, Ikarus , 1936 © Katia Zügel, Balingen

 

Oscar Zügels „Ikarus“.

Schenkungen an Museen sind gelebte Verantwortung, sie zeigen das Engagement Einzelner für die Allgemeinheit. Das Ölbild „Ikarus“ von Oscar Zügel schenkten dessen Kinder Gotthard und Katia Zügel dem Zentrum für die Bürgerstiftung. Sie unterstützen damit die Zentrumsidee und bieten zugleich eine weitere Möglichkeit der Aufarbeitung des Werks von Oscar Zügel wie auch der (Kunst-) Geschichte allgemein.

Dieses erste Bildgeschenk ist von besonderer Qualität. Es vermittelt eine beispielhafte Geschichte eines ganz besonderen Künstlers. Oscar Zügel studiert von 1919 bis 1922 an der Akademie der Bildenden Künste in Stuttgart und stellt mit der „Stuttgarter Sezession“ aus. Befreundet ist er mit Künstlern, die zu den bedeutendsten der deutschen Kunstgeschichte zählen: Paul und Felix Klee, Oscar Schlemmer, Willi Baumeister sowie Joseph Albers. Zügel bekommt Kontakte nach Frankreich: zu Fernand Léger und Georges Braque. Dadurch verändert sich sein künstlerischer Ansatz und er übernimmt kubistische Formen. Oscar Zügel ist zugleich der einzige Künstler, der diesen Stil mit Regimekritik verbindet.

Seine kritische Haltung, die sich unter anderem in den Gemälden „Propagandaminister“ und „Sieg der Gerechtigkeit“ sowie in der Serie „Genotzüchtigte Kunst“ zeigt, führt u.a. dazu, dass sein Atelier von Nationalsozialisten durchsucht wird. Seine Bilder werden beschlagnahmt, um sie zu verbrennen. Zwei seiner Freunde werden ermordet und ihm wird im Polizeipräsidium Stuttgart das gleiche Schicksal angedroht.

Flucht ins Exil

1934 flieht er daher nach Tossa de Mar, einer kleinen spanischen Stadt, in der es eine Künstlerkolonie gibt. Er verlässt Deutschland und malt dort in direkter Nachbarschaft von Marc Chagall und André Masson den „Ikarus“. Das Gemälde thematisiert die Folgen der maßlosen Selbstüberschätzung des Faschismus, der sich als Heilsbringer sah. Zügel erkannte, dass der Größenwahn und die Missachtung jeglicher Grenzen, unweigerlich den Sturz des Systems herbeiführen würden. Die Figur des Ikarus steht für den Faschismus im Allgemeinen. Die stürzende Figur – deren Beine und Flügel die Form eines Hakenkreuzes andeuten – verliert ihre Kraft und Form und stürzt. Dies zeigt das Ende der Nazi-Diktatur an.

Die Franco-Hitler-Allianz veranlasst Zügel schließlich, das spanische Exil zu verlassen und 1937 ins argentinische Exil zu gehen. Da die Peronisten jedoch einer Vielzahl von geflohenen Nazis Schutz bieten, wird Zügel erneut zur Zielscheibe von Repressalien. 1950 kehrt Zügel nach Europa zurück.

Sein Haus in Tossa de Mar findet er geplündert vor. Einige seiner wichtigsten Arbeiten wurden allerdings von spanischen Fischern versteckt und für ihn gerettet, so auch der „Ikarus“.

 

One thought on “Das 1. Geschenk an das Zentrum”

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