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Liebstes Fräulein Moore – Beautiful Rose

Rose Ausländer & Marianne Moore

1. Juli – 12. August 2018

 

Die neue Welt der modernen amerikanischen und englischen Literatur war ein frischer erregender Antrieb. Nach mehrjährigem Schweigen überraschte ich mich eines Abends beim Schreiben englischer Lyrik. Einer meiner ersten
Englischtexte fing an „Looking for a final start“.

Rose Ausländer

 

Der Shoa entkommen, emigrierte die Dichterin Rose Ausländer (1901 Czernowitz, Österreich-Ungarn – 1988 Düsseldorf) im September 1946 von Rumänien in die USA. Sie wählte New York als Zufluchtsort. Von 1945 bis Mitte 1948 litt sie an einer Schreibhemmung: Ihre Muttersprache war zur „Mördersprache geronnen“. Nach zweijähriger Schreibblockade begann sie, wieder zu dichten. Ihre Gedichte verfasste sie nun ausschließlich auf Englisch. Bis 1956 erschienen keine deutschsprachigen Gedichte mehr, sie publizierte in amerikanischen Lyrikzeitschriften sowie Anthologien und suchte die Bekanntschaft zu den dortigen Dichterinnen und Dichtern. So schloss sie sich der Künstlergruppe „The Raven“ an. Hier lernte sie die große amerikanische Dichterin Marianne Moore kennen.

 

Marianne Craig Moore (1887 Kirkwood – 1972 New York) veröffentlichte 1915 ihre ersten Gedichte. Sie kam in Kontakt mit anderen auf-strebenden Dichtern und Schriftstellern wie Wallace Stevens und William Carlos Williams. Mit 34 Jahren erschien Marianne Moores erstes Buch. Von 1925 bis 1929 arbeitete sie als Herausgeberin einer Zeitschrift. Sie bekam unter anderem 1952 den Pulitzer-Preis und den National Book Award für das Werk „Collected Poems“.
1962 wurde sie in die American Academy of Arts and Sciences gewählt.

 

Die Ausstellung „Liebstes Fräulein Moore – Beautiful Rose“ zeigt die englische Schreibphase der Dichterin von 1948 – 1956. Original Manuskripte und Typoskripte belegen das englische Schreiben von Rose Ausländer; Dokumente und Fotos, den Ort- und Zeitpunkt des Sprachwechsels. Anglisten bescheinigen ihrem englischen Werk hohe Qualität, ohne die das folgende meisterhafte deutschsprachige Werk nicht denkbar wäre.
Anhand von Briefen, Zeitschriften und Büchern wird zudem die Freundschaft zwischen den zwei großen Dichterinnen des 20. Jahrhunderts dokumentiert. Marianne Moore war es schließlich, die wesentlich dazu beitrug, dass Rose Ausländer wieder in ihre Muttersprache als Dichtersprache zurückkehrte.

 

Looking for a final start
mechanism passing from
the laws and language of the heart
to ways of matter: I have come […]

Rose Ausländer, What am I, ca. 1950

 

Kurator: Helmut Braun

 

Der Begleitband „Liebstes Fräulein Moore – Beautiful Rose“ von Helmut Braun ist im Museumsshop für 20€ erhältlich.
Eine Ausstellung des Zentrums für verfolgte Künste in Kooperation mit der Rose-Ausländer-Gesellschaft e.V.