Zentrum für verfolgte Künste (im Kunstmuseum Solingen) © Zentrum für verfolgte Künste / Judith Schönwiesner
Zentrum für verfolgte Künste (im Kunstmuseum Solingen) © Zentrum für verfolgte Künste / Judith Schönwiesner

Klaus Rohleder – in memoriam

5. September – 14. Oktober 2018

 

Klaus Rohleder, 1935 bei Greiz geboren, Verwandter von Friedrich Nietzsche, lehnte das SED-Regime als Zerstörer der Dorfkultur ab. Nach der Kollektivierung der Landwirtschaft in der DDR wurde er Lohnarbeiter auf dem eigenen Land, das er 1989 wieder übernahm. Über sein erstes Theaterstück „Das Fest“, das nach langen Behinderungen durch die SED 1988 an der Berliner Volksbühne uraufgeführt wurde, urteilte Heiner Müller: „Phantastisch“. Reaktion der Kulturfunktionäre: „Das ist schlimmer als Beckett.“ Die Stasi nannte Rohleder „einen zweiten Reiner Kunze“. Dies war eine Einschätzung des Stasi-Spitzels Ibrahim Böhme, der Rohleder einerseits förderte und andererseits denunzierte.

Seit 1977 lagen Rohlederstücke „auf Halde“. Frank Casdorf urteilte: „Du machst eigentlich dasselbe, was Pina Bausch mit ihrem Tanztheater macht.“ Für Rohleder war die Natur, wie auch der Leib, ein Territorium, das zur Heilung der Wunden taugte, die die Geschichte der Macht hinterließ. 1990 erhielt er mit Tankred Dorst den Kölner Ludwig-Mühlheims-Preis der katholischen Kirche. Vom Preisgeld kaufte er sich in Nürnberg einen gebrauchten Traktor für seinen Hof. Theaterstücke von Rohleder fanden nach 1989 keine große deutsche Bühne. Seine zwei Romane wurden nicht gedruckt. Doch ein Stipendium der Villa Massimo im italienischen Olevano hatte Folgen.

Sizilien entdeckte Rohleder. Der Komponist Joe Schittino vertonte in italienischer Übersetzung das urdeutsche Theaterstück „Die Neuberin“ und auch seine Gedichte. In Catania war der Deutsche angekommen, in Deutschland nicht. Sein zweites Leben lebte er in Italien. Wie schon bei Goethe und vielen anderen vor ihm erweckte das Licht, die Luft und die Liebe einen anderen, einen wahrhaftigeren Rohleder.
Auf der Insel seiner Sehnsucht wurde Klaus Rohleder 2013 plötzlich aus dem Leben gerissen. Das Zentrum für verfolgte Künste, dem er Texte widmete, das er immer wieder besuchte, wird die Erinnerung an ihn wach halten.

 

Gezeigt werden unveröffentlichte Texte von Klaus Rohleder zu Bildern von Massimo Muccigrosso.

 

Eröffnung: 5. September 2018, 18:30 Uhr