Tagung

Verantwortung kennt kein Zögern – Fragen an das Zentrum für verfolgte Künste

19. & 20. April 2018

 

Ende 2015 wurde das Zentrum für verfolgte Künste offiziell eröffnet. Schon im Gründungsjahr wählte der Londoner Guardian das Zentrum in die Liste der zehn wichtigsten neuen Museen weltweit.

Auf einer Tagung wollen die Beteiligten mit dem erweiterten Blick von außen, also Interne und Externe, den Status quo und die potentiellen Möglichkeiten der Weiterentwicklung des Zentrums diskutieren. Zwei Tage lang werden sich die „Museumsmacher“ mit internationalen Expertinnen und Experten, Künstlerinnen und Künstlern austauschen.

[Flyer]

[Anmeldung]

 

Programm am Donnerstag, 19. April 2018

10:00 Uhr

Eröffnung

Tim Kurzbach, Oberbürgermeister der Stadt Solingen; Prof. Dr. Jürgen Wilhelm, Vorsitzender der Landschaftsversammlung Rheinland

 

10:30 Uhr

Podiumsdiskussion: Welche politische Bedeutung hat das Zentrum für verfolgte Künste?

Wenn es keine Zeitzeugen der Shoa, der Flucht und Vertreibung, der menschenverachtenden NS-Diktatur des letzten Jahrhunderts mehr gibt, kommt es dann zu der von Bundestagspräsident a. D. Lammert diagnostizierten „Ewigkeit des Grauens“? Wie ist die Erinnerung mit der Verantwortung für ein humanistisches Miteinander in der Gegenwart verbunden? Muss es in einem Zentrum für verfolgte Künste auch um den Kampf gegen Rassismus, Rechtsextremismus und Antisemitismus gehen?

Auf dem Podium: Selcuk Cara, Opernsänger, Regisseur, Filmemacher und Autor; Dorothee Daun, Vorsitzende des Aufsichtsrats des Zentrums für verfolgte Künste;  Milena Karabaic, LVR-Dezernentin Kultur und landschaftliche Kulturpflege; Hajo Jahn Vorsitzender der Else Lasker-Schüler-Gesellschaft; Dr. Willi Korte, Jurist, Historiker, Schriftsteller und Provenienzforscher, Dr. Maria Anna Potocka Direktorin des MOCAK Museum für Gegenwartskunst Krakau (Impulsreferat); Moderation: Dr. Rolf Jessewitsch, Direktor des Zentrums für verfolgte Künste

 

12:00 – 13:00 Uhr

Pause mit der Möglichkeit zum Imbiss im Museumsrestaurant „Junkbrunnen“

 

13:00 Uhr

Podiumsdiskussion: Historische Museen, Kunstmuseen, Gedenkstätten, Initiativen – Erinnerung für die Zukunft?

Wird die Erinnerung an die Katastrophe des letzten Jahrhunderts musealisiert? Was heißt das überhaupt? An wen wird wo erinnert? Gibt es in einer immer inhomogeneren Gesellschaft überhaupt noch eine kollektive Erinnerungskultur? Oder entstehen viele Facetten von individueller Erinnerung an Flucht, Vertreibung und Terror? Welche Bedeutung haben die heutigen Konflikte für zeitgeschichtliche Institutionen? Wie weit sollten sie sich einmischen?

?Auf dem Podium: Raphie Etgar, Direktor des Museum on the Seam Jerusalem;  Manaf Halbouni, Künstler; Dr. Delfina Jalowik, Kuratorin des MOCAK Museum für Gegenwartskunst in Krakau; JUDr. Tomáš Kraus, Stellvertretender Vorsitzender des Jüdischen Weltkongresses; Sylvia Löhrmann, Staatsministerin a. D.; Eliad Moreh-Rosenberg; Direktorin der Kunstsammlung Yad Vashem Jerusalem; Prof. Dr. Christoph Rass, Professor am Institut für Migrationsforschung Universität Osnabrück; Moderation: Jürgen Kaumkötter, Kurator des Zentrums für verfolgte Künste

 

14:30 – 15:00 Uhr

Pause mit Kaffee und Kuchen

 

15:00 Uhr

Podiumsdiskussion: Else Lasker-Schüler und die Sammlung

„Verbrannte Dichter“. Die Geschichte einer Wirkung

Vor 40 Jahren erschien das Buch „Die verbrannten Dichter“ von Jürgen Serke und löste die Wiederentdeckungswelle aus. Die Literatursammlung ist mit Else Lasker-Schüler ein Eckpfeiler des Zentrums. Welche Bedeutungen haben die Dichterin und die „Verbrannten Dichter“ heute?

Auf dem Podium: Prof. Dr. Hans Haider, Kulturjournalist und Autor; Tomáš Kafka, Diplomat im Tschechischen Außenministerium, Dichter und Übersetzer; Dieter Kosslick, Direktor der Internationalen Filmfestspiele Berlin; Dr. Hazel Rosenstrauch, Autorin; Klaus Schöffling, Verleger des Verlags Scho¨ffling & Co.; Ralf Wassermeyer, Sammler; Thedel von Wallmoden, Verleger Wallstein Verlag; Moderation: Eva Berger, Historikerin und Kunsthistorikerin

 

17:00 – 17:30 Uhr

Pause mit Getränken

 

17:30 – 19:00 Uhr

Kichka. Life is a Cartoon

Dokumentarfilm

Einführung in den Film durch die Regisseurin Delfina Jalowik

 

19:00 Uhr

Ausstellungseröffnung mit Empfang

Es sprechen:

Dr. Rolf Jessewitsch und Jürgen Kaumkötter, Zentrum für verfolgte Künste

 

 

Programm am Freitag, 20. April 2018

10:00 – 14:00 Uhr

Arbeitsgruppen (frei wählbar)

Das interdisziplinäre Zentrum. Fragen an die Konzeption

Hajo Jahn, Vorsitzender der Else Lasker-Schüler Gesellschaft, formulierte im Nachklang der Eröffnung des Zentrums für verfolgte Künste eine Reihe von Fragen an die sich formierende Institution. Diese Fragen sind strukturelle Grundlage der Tagung und Schwerpunkt dieser Arbeitsgruppe.

Mit Hajo Jahn Vorsitzender Else Lasker-Schüler Gesellschaft; Dr. Rolf Jessewitsch, Direktor Zentrum für verfolgte Künste; Wolfram P. Kastner, Künstler; Dr. Christian Schneider, Soziologe und Autor

 

Follow People / Trace Art – Künste auf der Flucht

Strategien der Dokumentation der Flucht und des Exils von Künstlerinnen und Künstler im 20. und 21. Jahrhundert, Aufbau einer Dokumentationsstelle verfolgter Künste heute.

Mit Prof. Dr. Andreas Brenne, Professor für Kunst / Kunstpädagogik Universität Osnabrück; Peter Eickmeyer und Gaby von Borstel, Zeichner und Autorin; Talal Nayer, Karikaturist, Präsident des sudanesischen Karikaturisten-Verbandes; Prof. Dr. Christoph Rass, Professor am Institut für Migrationsforschung Universität Osnabrück

 

150 Jahre Else Lasker-Schüler. Braucht das Zentrum eine Art „Symbolfigur“?

Else Lasker-Schülers Biografie spiegelt die Mechanismen und Auswirkungen von Terror und Gewalt auf Kunst und Leben eines Menschen. Programm, inhaltliche und organisatorische Ausrichtung des Themenjahrs 2019 zum 150. Geburtstag der Künstlerin.

Mit Hasan Alhasan, Lyriker aus Syrien; Dana Arieli, Fotografin und Prof. für Geschichte Jersualem; Daniela Boltres, Autorin und Sprachaktivistin; Jürgen Kaumkötter, Kurator Zentrum für verfolgte Künste; Moritz Pankok, Otto Pankok Museum Hünxe und Galerie Kai Dikhas Berlin; Jürgen Serke,  Journalist und Autor

 

14:00 – 15:00 Uhr

Pause mit der Möglichkeit zum Imbiss im Museumsrestaurant „Junkbrunnen“

 

15:00 Uhr

Abschlussveranstaltung

„Fahrenheit 451. 85 Jahre Bücherverbrennung“

Lichtbildervortrag von Hajo Jahn mit Margaux Kier (Rezitation, Gesang)

 

[Anmeldung]

 

 

Informationen zur Ausstellung

Ein Leben für die verbrannten Dichter

Ausstellung zum 80. Geburtstag des Autors und Sammlers Jürgen Serke

 

Die Ausstellung zum 80. Geburtstag des Autors Jürgen Serke zeigt seine Wiederentdeckungsarbeit zu einer Zeit, als es noch kein Internet gegeben hat. Nicht durch Briefwechsel mit den noch lebenden Protagonisten, sondern durch Reisen zu ihnen entstanden die Bücher Serkes. Von den „Verbrannten Dichtern“ fand er nur noch wenige Überlebende, von den „Verbannten Dichtern“ aus dem Ostblock alle – von Czeslaw Milosz über Joseph Brodsky bis Milan Kundera. Die „Verbrannten Dichter“ haben für den Verleger Klaus Schöffling historische Bedeutung. Er schreibt: „Es läßt sich sehr genau verfolgen, dass die große Neudruckwelle erst nach Erscheinen von Serkes Buch begann.“ Die Ausstellung zeigt zahlreiche Unikate aus dem Archiv der Sammlung und aus dem Eigentum des Autors Jürgen Serke.

 

 

Informationen zum Film

Kichka. Life is a Cartoon.

Der Dokumentarfilm

 

Der Israeli Michel Kichka ist einer der weltweit einflussreichsten Karikaturisten und war ein zentraler Künstler in der Eröffnungsausstellung des Zentrums für verfolgte Künste in Solingen, in der Ausstellung „Der Tod hat nicht das letzte Wort“ im Deutschen Bundestag in Berlin sowie in der Folgeausstellung im MOCAK in Krakau. Dort wurden die Originalzeichnungen der Graphic Novel „Zweite Generation“ gezeigt. In ihr schildert Michel Kichka das Aufwachsen im Konflikt mit dem Vater Henri, einem Auschwitz-Überlebenden. Henri Kichka übertrug seine Traumatisierung und die ungelöste Frage nach seiner Identität auf die Kinder. Die Familie wuchs unter den Eindrücken der Auschwitz-Erfahrungen des Vaters auf. Trotz dieser dramatischen Kindheit und Jugend schildert der Sohn den Vater liebevoll, zeigt Verständnis und auch Möglichkeiten des Umgangs der zweiten Generation mit dem Trauma der ersten auf.

Der Film ist eine Kooperation des Zentrums für verfolgte Künste mit dem MOCAK, Krakau.

 

 

Partner der Tagung sind der Landschaftsverband Rheinland, die Else Lasker-Schüler-Gesellschaft und das Projekt „Konfliktlandschaften“ der Universität Osnabrück.

 

Die Tagung wird aus Mitteln der Regionalen Kulturförderung des Landschaftsverbandes Rheinland (LVR) gefördert.