Ausstellung Jesekiel Kirszenbaum 31.März bis 5.Mai 2019

Illustrator jüdischen Lebens und  der Bohème

Jesekiel Kirszenbaum « Engel eine Seele des Schtetl tragend » Öl auf Leinwand, Privatsammlung Nathan Diament

Premiere in Solingen: Das Zentrum für verfolgte Künste zeigt erstmals seit fast 100 Jahren in Deutschland eine Einzelausstellung von Jesekiel Kirszenbaum (1900 – 1954). Vom 31. März bis 5. Mai 2019 sind 70 Gemälde und Zeichnungen sowie 30 Karikaturen des Malers und Grafikers zu sehen. Die Ausstellung findet im Rahmen der der Jüdischen Kulturtage Rhein-Ruhr statt.

Kirszenbaum, im deutschen Kunstbetrieb nahezu vergessen, gilt als Illustrator jüdischen Lebens der untergegangenen galizischen Schtetl. Er wird auch als „zweiter Chagall“ bezeichnet – beide entstammen derselben sozialen und religiösen Bildwelt.

1927 stellt Herwarth Walden ihn zum ersten Mal in seiner Berliner Galerie „Der Sturm“ aus. Er will damit an die erfolgreichen Ausstellungen mit Marc Chagall aus der Zeit vor dem Ersten Weltkrieg anknüpfen, sieht im jungen Kirszenbaum eine Chance, den Kunstmarkt aufzumischen und seine Galerie zu retten. Kirszenbaum ist zu der Zeit kein Unbekannter. Er hat am Bauhaus in Weimar bei Klee, Kandinsky und Feininger studiert, finanziert durch Arbeit als Bergmann im Ruhrgebiet.

Zum ganz großen Durchbruch kommt es jedoch nicht. Jesekiel Kirszenbaum wird aber Teil der Berliner Kunstszene, arbeitet als Karikaturist für den Ulk, Querschnitt und Die Rote Fahne, stellt ab 1929 als Mitglied des ASSO (Assoziation revolutionärer bildender Künstler Deutschlands) regelmäßig aus. Der Illustrator wird Teil der Berliner Bohème, deren Herz Else Lasker-Schüler war, Galerist Walden war ihr früherer Ehemann.

1933 flieht der Jude Kirszenbaum mit seiner Frau nach Frankreich. Nach der Shoa ist er ein schwer traumatisierter Mensch. Seine Frau Helma in Auschwitz umgebracht, 600 Kunstwerke im Pariser Atelier zerstört. Viele seiner Freunde, wie der Künstler Felix Nussbaum, nach dem er im April 1945 in Brüssel sucht, sind ermordet. Er beginnt wieder zu malen, doch seine Bildwelt ist jetzt eine ganz andere, führt ihn in der Verarbeitung des Erlebten und Erlittenen weit in die Abstraktion.1954 stirbt Kirszenbaum.

Das Zentrum für verfolgte Künste zeigt nun Ölbilder, Aquarelle, Grafiken und Zeichnungen aus allen Schaffensphasen: religiöse Motive, den Alltag im Schtetl vor dem Holocaust, bissige politische Karikaturen und Boheme-Szenen aus der Berliner Zeit, aber auch Flucht und Vertreibung. Dazu wird der zeitliche und künstlerische Zusammenhang durch Hinweise auf das Wirken von Herwarth Walden und Else Lasker-Schüler präsent. Bilder der Ausnahmekünstlerin, deren 150. Geburtstag in diesem Jahr mit zahlreichen Veranstaltungen gefeiert wird, sind in einer eigenen kleinen Abteilung zu sehen.

Kuratoren der Ausstellung Jesekiel Kirszenbaum, Else Lasker-Schüler und der „Sturm“  sind Nathan Diament, Neffe des Künstlers, und Jürgen Kaumkötter, Kurator des Zentrums für verfolgte Künste.

Nathan und sein Bruder Amos Diament (v.l.), die Neffen des Künstlers, bei der Eröffnung der Ausstellung im Zentrum für verfolgte Künste