Krain, W. Krieg_Gebet um Sieg - klein

Zeiten des Umbruchs – Vor 100 Jahren                                          
Erster Weltkrieg, Novemberrevolution, Weimarer Republik in der Kunst 

    

09.12.2018-10.02.2019   

                       

„Mit dem Glauben an Entwicklung an eine neue Generation … rufen wir alle Jugend zusammen und als Jugend, die die Zukunft trägt, wollen wir uns Arm- und Lebensfreiheit verschaffen gegenüber den wohlangesessenen älteren Kräften.“ Nicht aus einem Flugblatt von 68er Studenten stammt diese Aufforderung zur Veränderung der Gesellschaft, sondern aus dem Jahr 1906. Verfasser: Die Künstlergemeinschaft „Die Brücke“. Voller Euphorie kündigte sie den Umbau Deutschlands an, setzte sie fort in Aufrufen zur Teilnahme am Krieg.

 

Zeiten des Umbruchs – vor 100 Jahren ist die neue Ausstellung im Zentrum für verfolgte Künste Solingen überschrieben.  Mit Werken aus der Kunstsammlung Gerhard Schneider wird die Phase der Umwälzungen über Ersten Weltkrieg, Novemberrevolution und Weimarer Republik dokumentiert – authentisch, aus der Sicht der Beteiligten und ihrer künstlerischer Verarbeitung.

 

Viele Künstler zogen begeistert in den Krieg. Davon zeugt in der Ausstellung eine Reihe von Blättern aus der „Kriegszeit Künstlerflugblätter“, die vom August 1914 bis zum März 1916 erschienen. Max Liebermann, Ernst Barlach oder Willy Jaeckel sind nur drei der bekannteren Vertreter. Mit dem Blatt von Käthe Kollwitz „Das Bangen“ kommt ein erster kritischer Blick in die vielen enthusiastischen Darstellungen. Als sie die Lithographie gerade zur Veröffentlichung freigegeben hatte, erhielt sie die Nachricht vom Tod ihres freiwillig in den Krieg gezogenen Sohnes Peter.

 

Und Max Beckmann, der anfangs des Krieges noch schrieb „Meine Kunst kriegt hier zu fressen“, findet sich ernüchtert  in der „Kriegszeit“ wieder mit einem Bildnis des Hauptmanns Martin Tube „Andenken an einen gefallenen Freund“. Kurze Zeit später wurde er als Sanitätssoldat, der das Erlebte nicht mehr ertragen konnte, aus psychischen Gründen entlassen. Mit August Macke, Franz Marc oder Wilhelm Morgner, die zwischen 1914 und 1916 fielen, ist Otto Dix der Bekannteste, der den Krieg überlebte und erschütternde Dokumente hinterließ. Karl Schmidt-Rottluff stellt aufgrund der Unmenschlichkeit der Kriegsgräuel und des maßlosen Leids in seinem Holzschnitt von 1918 die Frage „Ist euch nicht Kristus erschienen?“.

 

Die Ausstellung wartet aber  – so wie es sich das Zentrum für verfolgte Künste zur Aufgabe gemacht hat -vor allem mit Beispielen bislang wenig Gewürdigter auf. Ein Augenmerk zieht die höchst kritische farblithographische Folge „Krieg – 7 Blätter allen Völkern gewidmet“ von Willibald Krain auf sich, die er 1916 nur in der neutralen Schweiz herausbringen konnte. Am eigenen Leibe erfahrene Kriegserlebnisse sind  mit Arbeiten von Otto Fischer-Trachau, Waldemar Flaig, Erich Fraaß, Fritz Fuhrken, Rudolf Heinisch, Franz Markau, Max Pechstein, Heinrich Steinhagen, Heinrich Stegemann oder Fritz Steisslinger zu finden.

 

Für Deutschland endet der Erste Weltkrieg mit der Revolution. Ein geplanter aussichtsloser Einsatz eines in Wilhelmshaven und Kiel stationierten Geschwaders löste Befehlsverweigerungen aus. Den aufständischen Marine- Einheiten schlossen sich bald tausende streikende Kieler Werftarbeiter an. Soldaten- und Arbeiterräte stellten die Forderung nach einem sofortigen Friedensschluss auf – einschließlich der Abdankung des Hauses Hohenzollern und einem allgemeinen Wahlrecht. Ideen, die sich innerhalb weniger Tage in ganz Deutschland verbreiteten.  Am 9. November erreichten sie mit der erzwungenen Abdankung des Kaisers und der Proklamation der Republik durch Philipp Scheidemann von einem Balkon des Reichstags in Berlin ihren formalen Höhepunkt.

 

Die Ausstellung zeigt Arbeiten, auch ganze Zyklen, zu Phasen der Revolution. So Albert Birkles Zeichnung „Unter den roten Fahnen“ von 1919, Arbeiten etwa von Erich Fraaß, Franz M. Jansen, Otto Lange, die Folgen „Die fiebernde Straße“ von Willibald Krain, „Revolutionszeit“ von Magnus Zeller und fünf Blätter aus dem „Totentanz“ von Hans Ludwig Katz. Künstler schufen sich mit der „Novembergruppe“ eine eigene Revolutionsinstitution. Ihr Programmheft „An alle Künstler“ mit einer Coverillustration von Max Pechstein ist ebenfalls zu sehen.

 

In der Polarität von Trostlosigkeit und Lebenslust entstand in der Weimarer Republik eine breitgefächerte Kulturszene. Aus heutiger Sicht bezeichnen wir diese Zeit auch als „Tanz auf dem Vulkan“, angesichts der schwelenden Gefahr, die sich aus dem aufkommenden Nationalsozialismus ergab. Diese Situation spiegelt sich in den Arbeiten von Franz M. Jansen, Friedrich G. Einhoff, Conrad Felixmüller, Otto Fischer-Lamberg, Käthe Kollwitz und Erna Schmidt-Caroll. Einen Höhepunkt bildet hier die Folge „Von morgens bis mitternachts“ von Bernhard Kretzschmar

 

Die Ausstellung würdigt zudem den 80. Geburtstag des Sammlers und Stifters Dr. Gerhard Schneider.

 

Abbildung: Willibald Krain: Krieg – 7 Blätter allen Völkern gewidmet, Bl. 3, Gebet um Sieg

©VG Bild-Kunst Bonn

 

Eröffnung: Sonntag, 9.12.2018 um 11.30 Uhr

 

Zur Ausstellung ist der Katalog „Der Erste Weltkrieg im Spiegel expressiver Kunst Kämpfe – Passionen – Totentanz“ im Museumshop erhältlich.

 

 

 

 

 

 

DIE KUNST DER KLAREN HALTUNG

PORTRÄTS UND BESEELTES – Sabina Bockemühl

28. Oktober 2018 – 27. Januar 2019

 

Lebendige Geschichten: Davon erzählen die Werke der Künstlerin Sabina Bockemühl, die einer breiten Öffentlichkeit durch zahlreiche Ausstellungen und TV-Beiträge bekannt ist. Die 1966 in Solingen geborene Malerin schafft in einer außergewöhnlichen Technik eindrucksvolle Portraits und Landschaftsbilder mit besonderem Bezug zu ihrer Heimatstadt, die sie in einer Ausstellung im Zentrum für verfolgte Künste ab Oktober 2018 zeigt. Die von Sabina Bockemühl porträtierten Prominenten, u.a. Mario Adorf, Hannelore Hoger, Veronica Ferres und Marianne Sägebrecht, stehen in besonderer Verbindung mit dem Museum und dessen Philosophie.

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Menschenrechte:

Cartoons und Film auf Weltreise

 

Nach der erfolgreichen Präsentation im Zentrum für verfolgte Künste Solingen befindet sich die Ausstellung „Neunte Kunst. Cartooning for Peace“ auf Reisen. Österreich war die erste,  Mexiko ist die nächste Station noch im Jahr 2018. Mit den Karikaturen internationaler Künstler zu Verfolgung, Flucht und Vertreibung wird dort auch der vom Zentrum und vom Museum für Gegenwartskunst Krakau MOCAK gemeinsam produzierte Film „Kichka. Life is a Cartoon“ gezeigt.

 

 

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In der „Schule des Ungehorsams“ des Österreicher Karikaturisten Gerhard Haderer in Linz (www.schuledesungehorsams.at) hat Zentrums-Kurator Jürgen Kaumkötter die Ausstellung am 26. September eröffnet. Der Co-Kurator der Ausstellung, Talal Nayer, nahm per Video-Chat an der Eröffnungsdiskussion teil. Die Ausstellung läuft bis zum 30. März 2019. Fotos: (c) Schule des Ungehorsams 2018

 

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Eine weitere Einladung gibt es vom Nationalmuseum der Weltkulturen in Mexico-City (www.museodelasculturas.mx) für die Zeit vom 20. Dezember 2018 bis ebenfalls Ende März 2019.
Die Dokumentation „Kichka. Life is a Cartoon“ über die Auswirkungen des Holocaust auf die nächste Generation, eindringlich dargestellt am Beispiel der Familie des israelischen Karikaturisten Michel Kichka und seines heute 92jährigen Vaters Henri, war in Solingen im Begleitprogramm der Ausstellung „Neunte Kunst“ zu sehen. Der Film selbst hat seine Weltreise ebenfalls begonnen: Nach der Premiere in Brüssel wurde er in Ausschnitten bei der UNO in New York gezeigt, stand auf dem Wettbewerbsprogramm des Internationalen World Film-Festivals in Montréal und hatte im September unterstützt durch die Böll-Stiftung und das Polnische Institut seine französische Uraufführung im Museum Mémorial de la Shoa in Paris.

 

Kichka Podium Filmpremiere Paris

 

Podiumsdiskussion nach der Premiere des Films „Kichka. Life is a Cartoon“ im Mémorial de la Shoa in Paris mit dem Produzenten und Kuratoren des Zentrums, Jürgen Kaumkötter, der Regisseurin des Film und Kuratorin des MOCAK, Delfina Jałowik, Giselle de Haan von Dargaud, Didier Pasamonik, Comic-Experte, Michel Kichka, sowie Serge und Beate Klarsfeld.
Mittlerweile gibt es Fassungen in fünf Sprachen, jeweils mit Untertiteln. Eine Schulversion mit umfassendem didaktischem Zusatzmaterial ist in Arbeit.

 

 

KICHKA. Life is a Cartoon

Dokumentarfilm

 

 

Webseite des Films [Hier]

 

 

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